& praxis: vegane maltechnik

In den traditionellen Ölmaltechniken werden oft tierliche Materialien verwendet. Angefangen bei Schweineborstenpinseln über Knochen-, Hasen-, oder Hautleim zur Vorgrundierung der Bildträger oder der Verwendung von Ei-Öl-Emulsionen zur Untermalung bishin zu einigen Pigmenten, welche aus Tieren „hergestellt“ werden. Im Folgenden gebe ich eine Übersicht über die von mir verwendeten Materialien und die teils noch zu lösenden maltechnischen Probleme bei einer veganen Öl-Maltechnik.

Ölfarben

Die Binde- und Malmittel von Ölfarben sind rein pflanzlich (unterschiedliche Öle und Harze). Eine Ausnahme stellen die Farben von LUKAS dar, denen leider Bienenwachs beigemischt ist. Die allermeisten tierlichen Pigmente sind heutzutage durch synthetische ersetzt. Ausnahmen stellen etwa Karminrot (Pigment: NR 4 oder NR 3), welches je nach Hersteller nicht immer synthetisch hergestellt wird, sondern durch Trocknen und Auskochen weiblicher Schildläuse „gewonnen“ wird oder Elfenbeinschwarz (Pigment: PBk 9) das aus Knochen hergestellt wird, dar. Elfenbeinschwarz kann allerdings auch in anderen Farben beigemischt sein – etwa in Ultramarinblau oder auch in manchen Erdtönen wie Umbra. Daher ist immer auf den Pigmenamen und die Pigmentnummer zu achten, die bei Künstlerfarben immer auf der Tube/Dose/Flasche angegeben ist (Elfenbeinschwarz echt: PBk 9). Das gilt selbstverständlich auch für Acryl-, Pastell, Aquarellfarben etc. Bei günstigeren Farben ist leider oft nicht die genaue Pigmentbezeichnung angegeben. Eine sehr ausführliche englischsprachige Liste mit Pigmenten findet sich hier.

Eine neuere Entwicklung bei Ölfarben sind wasserverdünnbare Ölfarben, die aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen von Vorteil sind, da hier kein Terpentin oder Terpentinersatz verwendet werden muss, um die Farben zu verdünnen. Die von Talens angebotenen wasservermalbaren Ölfaren „Cobra“ sind mit synthetischen Emulgatoren hergestellt. Leider gibt es hier noch kein veganes Schwarz. Bei den wasservermischbaren Ölfarben „Artisan“ von Winsor & Newton ist nur Elfenbeinschwarz unvegan. Hier gibt es zum Glück Lampenschwarz als Alternative. Die von Lukas angebotenen wasservermalbaren Ölfarben „Berlin“ enthalten leider Bienenwachs.

Eitemperafarbe, welche in der traditionellen Schichtenmalerei Verwendung findet, ist offensichtlich nicht vegan. Ich selbst benutze daher keine Eitempera als Untermalung.

Pinsel

Schweineborsten sind verglichen mit Synthetikborsten sehr hart und rau und gut für einen pastosen Farbauftrag mit kräftigem Pinselduktus geeignet. Es gibt inzwischen bei Boesner auch synthetische Borstenpinsel, welche in ihren Eigenschaften relativ nah an Schweinebortsenpinsel heranreichen. (Ich kaufe nur noch diese synthetischen Borstenpinsel, oder andere feinere Synthetikpinsel.)

Malgründe/Bildträger

Die Gewebe, welche für Bildträger in Frage kommen sind pflanzlich (Leinen, Baumwolle, Jute, Hanf ect.). Die meisten im Handel erhältlichen fertigen Leinwände (meist aus Baumwolle und nicht aus Leinen) sind mit einer Acryl-Grundierung versehen und ohne tierliche Leime. (Am besten aber beim Einkauf nochmal nachfragen oder den Hersteller kontaktieren, um sicher zu gehen.)

Da ich aber gerade bei größeren Formaten meine Leinwände selbst baue, ergibt sich hier ein Problem in Bezug auf die Leinwandspannung. Traditionell wird das Rohegewebe  auf den Holzrahmen aufgespannt und dann mit Knochen-, Hasen, oder Hautleim vorgrundiert. Dies ist für die Konservierung des Gewebes wichtig (das gleiche kann aber auch ein Acrylbinder leisten) und – wichtiger – für die Spannung des Gewebes. Die tierlichen Leime besitzen, im Gegensatz zu Acrylbinder, die Eigenschaft sich bei der Trocknung zusammen zu ziehen und sorgen somit für eine sehr hohe Spannung der Leinwand. Ich habe bisher noch keinen vergleichbaren synthetischen oder pflanzlichen Leim gefunden (über Tipps wäre ich sehr dankbar) und bin daher dazu übergegangen die schon (mit Acrylgesso/ohne Tierleim; z. B. Henry von boesner) grundierte Leinwand direkt auf den Holzrahmen aufzuspannen. Hierbei habe ich auch bei großen Formaten ganz gute Ergebnisse, in Bezug auf die Spannung der Leinwand, erzielt.

Alternativ kann mensch auch Holz als Bildträger verwenden. Holztafeln haben allerdings den Nachteil, das sie garade bei größeren Formaten sehr schwer sind und zudem auch eher zum Verziehen neigen. Ich verwende Holz nur bei kleineren Formaten.

Des Weiteren benutze ich hin und wieder Polyethylen-Planen, welche rein synthetisch sind. Diese haben allerdings den Nachteil, das sie sich nicht 100%ig plan aufspannen lassen. Außerdem ist die Haltbarkeit der Ölfarbe auf diesem Material über einen längeren Zeitraum, meines Wissens, nicht getestet.

2 Kommentare zu “& praxis: vegane maltechnik
  1. tolia sagt:

    haben Sie schon mit agar agar ausprobiert?

2 Pings/Trackbacks für "& praxis: vegane maltechnik"
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